Die Johanneskirche

 

Die Architektur soll Wahrheit, Liebe und Kraft ausdrücken
Die Wahrheit drückt sich in den echten Materialien aus. (Kein Anstrich)

Die Liebe soll der Besucher durch den freundlichen Vorplatz, einladende Gartenbänke, harmonische Formen, schöne Farben und einen abwechslungsreichen Anblick im Versammlungsraum spüren.
Die Kraft drückt sich durch Kontrast und Wiederholung aus.
Bewusst wurde auf einen eigenen Kirchturm verzichtet. Wie bei den Zisterziensern hat die Johanneskirche einen sogenannten Dachreiter.
Über dem Innendach befindet sich die Glockenstube. In ihr hängen 4 Glocken, die auf die Anfangstöne des Osterchorals „Christ ist erstanden“(b,c,es,f) gestimmt sind.
Die Turmzier ist in Kupferblech getrieben und stellt einen Adler dar, das altchristliche Symbol für den Evangelisten Johannes, dessen Namen die Kirche trägt.

 

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Die Kirche hat einen Sendungs- und einen Sammlungsauftrag. Dies drückt sich durch den zur Straße hin offenen Vorhof aus, der die Besucher geradezu ansaugen soll. Die Ruhe vermutet man im Hauptgebäude.

Die frühesten Kirchen waren Innenhof­kirchen. Die Burghaiger Kirche ist eine solche der neueren Zeit. Vorgelagert ist ihr ein atriumgleicher Vorhof. In ihm ist das Gleichnis Jesu vom 4-fachen Ackerfeld verlebendigt, wie es im Markusevangelium Kap. 4, 1-20 nachzulesen ist.

 

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Wir sehen ein Zelt, das wie ein Baldachin von 20 Säulen getragen wird. Dieses Zelt als Bild des Zeitlichen steht in der gemauerten Umfriedung, dem Bild der Ruhe und Gebor­genheit. Die Zeltform hat dem Gotteshaus den Namen gegeben: denn im Johannes­evangelium heißt es: „Das Wort ward Fleisch und wohnte (im Original „zeltete“) unter uns“(Joh. 1,14).
Die 4 Konleuchter, bestehend aus ver­schieden großen ¼ Kreisen, symbo­li­sieren die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Die 3 Gauben im Dach stehen für die Dreieinigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist
Vom Kirchenraum aus schaut man ringsum ins Grüne. In dem 4,5 m breiten Grünstreifen erblickt man die Fülle der Schöpfung und erlebt den Rhythmus des Jahres vom frischen Grün des Frühlings bis zu Färbung des Herbstes und den Schnee im Winter. Damit kommt zum Ausdruck, dass wir an den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben.
Eingefasst und umfriedet ist das Ganze von einer Mauer, die jeweils analog der inneren Säulen unterbrochen ist. Damit soll der Gemeinde bewusst werden, dass sie sich nicht abkapseln darf, sondern eine Aufgabe hinaus in die Welt hat.

Die Geborgenheit unter dem Zeltdach kommt dadurch zum Ausdruck, dass der Fußboden in 3 Stufen abgesenkt ist, sodass die Gemeinde wie in einer großen Schale sitzt. Mann kann so zu Recht vom Kirchen­schiff reden, wie es auch im Lied Nr. 589 (EG) gesungen wird.
Da Gott sich den Menschen als geistliches Haus auserwählt hat, wohnt er in den Men­schen, die sich zum Gottesdienst ver­sammeln. Dies drückt sich durch die Fenster im Bewegungsbereich des Menschen aus. Die Gemeinde und ihre Einrichtung, wie Altar, Kanzel Taufstein befinden sich im hellsten Licht.
Die Gleichzeitigkeit von Bewegung und Ruhe zeigt sich auch in der Einrichtung. Während die Orte für Sakrament und Wort festgelegt sind, ist das Gestühl jedoch beweglich.

 

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Der Prediger am Ambo steht auf gleicher Höhe wie die hörende Gemeinde. Dies bedeutet, dass dem Prediger zwar die Wortverkündigung aufgetragen ist, er aber auch selbst genauso des Zuspruchs des Evangeliums und der Ermahnung bedarf, so wie er auch vom Glockenläuten bis zum Orgelnachspiel mit der Gemeinde beisammen ist.
Die 3 asymetrisch übereinander auf­gerichteten Steinquader fordern uns heraus. Man möchte sie am liebsten zurecht- und geraderücken. Und genau das möchte das Wort Gottes, nämlich unsere verrückte Welt in Ordnung bringen.
Die Frontseite zeigt ein stilisiertes Fischernetz und erinnert an den Auftrag Jesu an Petrus: „…ich will euch zu Menschenfischern machen…“.
Die 3 Kreuze in einem Kreis, wie auch die 3 Gauben über dem Altar weisen darauf hin, dass wir jeden Gottesdienst im Namen des Dreieinigen Gottes feiern.

 

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Der Altar ist die Stätte der Begegnung. Im Heiligen Abendmahl begegnen sich der erhöhte Herr und der Mensch, aber auch Mensch und Mitmensch. Er steht auf dem selben Niveau wie die Gemeinde, die im offenen Viereck um ihn sitzt.
Der Steinmetz hat den Altar aus zwei Teilen gehauen, die ineinander greifen und sich verzahnen. Das Verbindungsstück, das die Grund- mit der Tischplatte verbindet, hat die Form des Kreuzes. Damit ist ausgedrückt, dass im Heiligen Mahl Christus mit mir eins wird, wie auch ich mit meinem Nächsten. Der Sockel auf dem der Tisch ruht, hat die Form eines Kreuzes. Die zwölf Löcher in der Tischplatte erinnern an die 12 Jünger.

 

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Die gepolsterten Stühle sollen dem Besucher gegenüber eine einladende und liebevolle Geste sein. Man kann dem, der durch den Ruf der Glocken eingeladen worden ist, dem ein gepolsterter Sitz zu Hause oder im Auto oder sonstwo eine Selbstverständlichkeit ist, nicht gut in der Kirche eine harte Holzbank anbieten. Die Beweglichkeit der Stühle erlaubt außerdem eine einfache Umgestaltung des Raumes für Laienspiel oder Konzert.
Die Taufe ist das zentrale Handeln Gottes an und mit uns. Sie ist die Mitte unseres Lebens. Deshalb steht der Taufstein auch exakt in der geometrischen Mitte des Gottes­dienstraumes. Es ist der einzige runde Gegenstand in der quadratischen Kirche. Die blaue Wellenlinie weist auf das Urelement Wasser hin, das Grund und Voraussetzung allen Lebens ist und zur Taufe gehört.

 

Spirale

 

An beiden Türen finden sich die albekannten Symbole: das Monogramm Christi; der Fisch, als das urchristliche Bekenntnis für: Jesus, Christus Gottes Sohn, Heiland; Ähre und Rebe für Brot und Wein im Abendmahl.
An der Innenseite fasst man an eine bunte Spirale. Sie führt aus dem Mittelpunkt der Ruhe in die Bewegung eines immer größer werdenden Kreises. d.h. wer das Gotteshaus verläßt, soll zum Wachsen der Gemeinde Jesu beitragen.

 

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Das glasierte Kreuz aus Ton mit seinen 12 Toren und dem Lamm in der Mitte, rechts neben dem Haupteingang, erinnert uns daran, dass wir hier keine bleibende Stadt haben (Hebr. 13,11), sondern auf das himmlische Jerusalem zugehen. Mit diesem Ausblick aus der Offenbarung des Johannes (Kap. 21) endet auch unser Glaubensbekenntnis: „…ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“